Brasilien April 2001

Amazonas

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Kaimane jagen: Abends bei Dunkelheit sind wir mit einem Boot herausgefahren. Mit einer starken Lampe wird das Ufer nach Kaimanen abgeleuchtet. Tatsächlich haben wir sechs mal Glück gehabt und welche aufgescheucht, aber nur einmal gelang es dem Führer, den Kaiman auch zu greifen und ins Boot zu holen. Er war einen halben Meter lang, ein kleiner Kerl. Nach allen Erläuterungen und Fotos, die zu machen waren, durfte er dann wieder zurück in das Wasser. Im Amazonas sitzen auf der Nahrungskette ganz oben: Jaguar, Anaconda und Kaiman. Krokodile gibt es nicht.
Regen: Tagsüber macht der Wald, es war April, seinem Namen wieder mal alle Ehre, also eine wunderbare Zeit, um in der Hängematte zu dösen und bei einem Drink zu schaukeln, während der warme Regen herunter prasselt: Erholung!
Bootausflüge: Eine Bootsfahrt im Überschwemmungswald mit botanischen Erklärungen war unsere nächste Aktivität. Der Wald ist jetzt einen Monat vor Ende der Regenzeit neun Meter hoch überschwemmt. Das wird noch bis auf vierzehn Meter ansteigen. Bildlich vorgestellt, fährt unser Boot praktisch zwischen den Baumkronen umher. Die Bäume sind sechs Monate im Jahr zum grossen Teil überschwemmt. Früchte und Samen fallen in das Wasser und werden von den Fischen gefressen. Die danken es dem Boden mit Dünger, der wieder von den Bäumen aufgenommen wird. Nur so kann das System überleben. Übrigens sind 80% der Fische im Amazonas Vegetarier.
Epiphyten, besonders Bromelien kann man en masse sehen oder Ameisen, die ihre Wirtspflanze perfekt vor der Zerstörung durch andere Insekten schützen. Dafür spendiert die Wirtspflanze den Ameisen Drinks, also Saft. Eine Symbiose zwischen einer Bar und Soldaten.
Wieder so eine erstaunliche Zahl: 30% der Biomasse am Amazonas sind Ameisen.
Der Piranhabaum ist ein Beispiel für die hochkomplexen Symbiosen am Amazonas. Er hat normalerweise giftige Blätter, aber in einem bestimmten Monat treibt er ungiftige Blätter und lockt damit Schmetterlinge an. Die fressen sich voll und verpuppen sich an dem Baum. Prompt treibt er wieder seine gewohnt giftigen Blätter. Wenn die Raupen später schlüpfen, bestäuben sie den Piranhabaum, nun kann er Samen treiben und die Schmetterlinge fliegen wieder davon. So hat er sich die Bestäubung gesichert.

Warum er Piranhabaum heisst? Bei dem ganzen Theater fällt viel ins Wasser, das lockt Mikroben an, das wiederum kleine Fische und oben auf der Nahrungskette des Wassers sitzt der Piranha.
Leute am Fluss: Wie erwähnt, gibt es nicht viel zu sehen, dennoch: Es gibt einzelne Häuser, von kleinen Wiesen umgeben oder auch kleine Siedlungen. Wir haben Siedlungen mit bis zu zehn Häusern gezählt. Die Bevölkerung ist eine Mischung von Indianern, Europäern und auch Afrikanern. In unserer Gegend arbeiten viele natürlich in der Lodge und kommen morgens mit dem Kanu zur Arbeit. Ihre Häuser sind einstöckige Pfahlhäuser, einfachst gezimmert. Die Fernsehantenne darf nicht fehlen. Die Kinder gehen vier Jahre in eine Dorfschule. Dort lernen sie hauptsächlich lesen und schreiben, vor allem aber wie man unterschreibt. Damit sind sie dann offiziell keine Analphabeten mehr. Auch sie paddeln morgens zur Schule in ihrem eigenen Boot.

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