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Eine Favela besteht aus wild angeordneten unverputzten Steinbauten mit zwei bis drei Stockwerken. Es gibt Wasser, Strom, Fernsehen und Telefon, in Rocinha sogar eine Bank. Die Favela zieht sich die Berge hinauf, schmale irrgartenartige Gänge verbinden die Häuser. Es ist eben "wild" gewachsen. Wer dort fünf Jahre wohnt, ist danach der rechtmässige Besitzer seines Hauses. Das gilt jedoch nur für Stein- oder Zementbauten. Daher sieht man keine einzige Holzhütte. Einige Häuser sind ziemlich gross und gut ausgestattet. Das war Überraschung Nummer 1.
Es gibt keine Lehmwege, alles ist zementiert. Die Leute sind freundlich, Kinder kommen gerade von der Schule, es existieren sehr viele kleine Geschäfte und Bars, geschäftiges Treiben, Strassenmarkt. Es gibt eine Reihe Projekte, die den Bewohnern helfen sollen, zum Beispiel handwerkliche Produktion, wir haben strickende Kinder gesehen, die damit Geld verdienen.

Favelas, sieht man einmal von ihrer Funktion als Drogenmarkt ab, sind eigentlich nur ärmere Wohnviertel, nicht Slums, mit denen man allgemein Dreck, Schlamm, mangelnde Hygiene oder Wellblechhütten verbindet. Überraschung Nummer 2. Zumindest gilt das für die Favelas, die wir gesehen haben. Wahrscheinlich gibt es auch andere. Die Regeln in der Favela werden von den Drogenbossen bestimmt

Kommentar dazu von Winfried S., der in Rio lebt und auch Favelas kennt, in die man die Touristen nicht hineinführt (Oktober 2009):

Von Touristen werden immer die Vorzeigefavelas besucht. Toll, es gibt heute sogar McDonald in Rocinha. Aber es gibt sicher auch andere. Es sind Slums mit Dreck und ohne das nötigste. Zwischen den Häusern gibt es oft keine Strassen. Es geht über Treppen und Wege und sogar quer durch die Häuser. Diese haben zum großen Teil weder Strom, noch Wasser oder Toilette. Das Trinkwasser kommt in Plasikflaschen und die Abwässer fließen einfach in die Wege und wenn vohanden auf die Strasse. Wassergräben, die sich von der Bucht in die Favelas ziehen, sind stinkende schwarze Morastkloaken in der auch der Müll liegt und schwimmt. Aber solche Favelas zeigt man den Touristen nicht. Wenn du mal an einem warmen Tag über die Linha Vermela oder Linha Amarela fährst, stinkt es so, dass du ganz schnell die Autofenster schließt. Schau dir die Bucht mal am Praia de Bica an, das Meer ist dort eine Müllkippe. Am Sandstrand schwimmt ein fast zwei Meter breiter Streifen Plastikmüll. Und soweit das Auge reicht treibt Müll in der Bucht herum. Gruß aus Rio, Winfried

Man kann Winfried wohl nur zustimmen, denn die genannten Mängel werden im Zuge der Vorbereitunng der Olympiade nun auch in den Medien kolportiert. (2015)