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Warum soll man Kambodscha bereisen?

Da gibt es zunächst mal Angkor Wat, die berühmteste, größte und spektakulärste Tempelanlage Südosotasiens. Dann war dieses Land für Reisende lange Zeit tabu. Der Grund war die politische Situation, Kriege und die Roten Khmer. Schließlich aber soll es ein bezauberndes Land mit einer umwerfend freundlichen Bevölkerung sein.
Hier Hintergründe und ein kurzer Einblick mit Schwerpunkt auf die jüngere Vergangenheit.

Kambodscha ist besonders auf dem Lande noch ein sehr armes Land. Es wird viel gebettelt, es gibt auch sehr viele Minenopfer, da das Land ein echtes Landminenproblem hat. Schätzungsweise liegen noch sechs Millionen davon herum, besonders in den nordwestlichen bis nordöstlichen Provinzen. Der Reisende kommt damit normalerweise nicht in Kontakt. So sind die Gegend um Angkor Wat oder Sihanoukville davon frei, zumindest da wo ein Tourist langgeht.

Geschichtlicher Abriss in der Telegrammversion:

Die Khmer waren vom 9. bis zum 14. Jhdt. das mächtigste Reich in Südostasien. Sie beherrschten grosse Teile des heutigen Vietnams und Thailands. Danach ging es mit der Macht hin und her. Mal die Khmer, dann die Vietnamesen, dann die Thais und auch Spanier bis die Franzosen sich Kambodscha 1863 unter den Nagel rissen. Die französische Kolonialherrschaft fand ihr Ende durch die vernichtende militärische Niederlage 1953 in Dien Bien Phu. Gegner: Die Widerstandsarmee der Vietmin unter ihrem General Giap, der später den Amerikanern erhebliche Kopfschmerzen bereiten sollte. Seitdem spielt das Chamäleon und Stehaufmännchen Sihanouk in Kambodscha eine entscheidende Rolle. Momentan gibt er den König.
Der Vietnamkrieg endete mit der Machtergreifung der Roten Khmer, die unter ihrem Führer Pol Pot von 1975 an das wohl brutalste, blutigste und menschenverachtendste Terrorregime des späten 20. Jahrhunderts errichteten. Sie ermordeten mit ihrem Wahn vom kommunistischen Bauernstaat bi zwei Millionen ihrer Landsleute (siehe die Seite "Killing Fields"). Unmittelbar nach ihrem Sieg 1975 trieben sie die gesamte Bevölkerung der Großstädte aufs Land, das betraf sogar die bettlägerigen Kranken aus den Hospitälern sowie alle Kinder und Alten. Nach dem Ende ihrer Herrschaft gab es zum Beispiel nur noch 3.000 Lehrer im gesamten Lande, die medizinische Versorgung war gleich Null, die Intelligenz, soweit man ihrer habhaft werden konnte, totgeschlagen. Die Roten Khmer griffen 1979 Vietnam an, um ihr Gebiet im Mekongdelta auszuweiten und töteten dabei ein paar Hundert Vietnamesen. Das war nicht sehr schlau, denn daraufhin marschierte die vietnamesische Armee ein und warf die Pol Pot Regierung innerhalb von zwei Wochen aus dem Amt. Übrigens führte das chinesische Militär als einzige Verbündete der Khmer daraufhin einen Entlastungsangriff auf Vietnams nördliche Provinzen, holte sich aber eine dermaßen blutige Nase, dass es sofort davon abliess. Nun hätte die Abrechnung mit den Verbrechern des Pol Pot Regimes erfolgen können, was aber unter anderem durch den amerikanischen Einfluss verhindert wurde. Die Leitlinie der Südostasienpolitik der Vereinigten Staaten in den 70-er und 80-er Jahren des letzten Jhdts. war die Isolierung Vietnams, innenpolitisch in den USA ein äußerst gefühlsbesetztes Thema. Der vordergründige Zündstoff dabei war die Annahme, dass Vietnam die Überreste von etwa tausend getöteten GI's nicht herausrücken wollte (Missing in Action). Der wirkliche Grund war meines Erachtens die Schmach, zum ersten Male in der Geschichte der USA militärisch besiegt worden zu sein. Daher wurden die Ergebnisse der vietnamesischen Politik, Vietnams Mitgliedschaft in internationalen Gremien, die kambodschanische Regierung der Post- Khmer Rouge Ära nicht anerkannt. Pikanterweise eine Identität der Interessen mit Chinas Südostasienpolitik. Das muss man sich mal vorstellen. Die Pol Pot - Mörderbande war noch nach ihrer Niederlage der legitime Vertreter des Volkes in der UN! So kam es, dass die Roten Khmer noch bis in die 90-er Jahre innenpolitisch eine Rolle spielten. Allerdings war ihr Mörderregime schon 1979 beendet worden. So etwa als wenn Hitler überlebt hätte aber man lässt ihn noch am Leben, weil man ihn gegen die Kommunisten braucht.

Auch bis heute kamen nur eine Handvoll der ehemaligen Schlächter vor Gericht. Das Interesse der kambodschanischen Politik an der Aburteilung der Khmer-rouge Henker ist nicht vorhanden.